In einer deutschen Großstadt wird höchstens alle paar Jahre mal das Wasser für wenige Minuten abgestellt. Auch über Strom musste man sich lange wenig Gedanken machen - allenfalls über die Rechnung. Die Energiewende und krisenbedingte Mangellagen rücken diese Themen endlich auch zuhause immer mehr ins Bewusstsein, aber auf einem griechischen Berg war die Versorgung noch nie selbstverständlich.
Villa Helena ist kein gewöhnliches Ferienhaus. Eingebettet in die Natur, erfordert das Haus von seinen Bewohnern ein gewisses Maß an ökologischem Denken und Mitverantwortung – oder schlicht
Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, sich aktiv darauf einzulassen. Hier ist es schon hilfreich, wenn man etwas empfänglich für die Zusammenhänge ist und ein
technisches Grundverständnis hat. Es bedarf keines abgeschlossenen Elektrotechnik-Studiums, aber man muss wissen, dass man aus Batterien nur so viel Strom
entnehmen kann, wie zuvor gespeichert wurde. Das sollte man berücksichtigen, wenn man möchte, dass der Kühlschrank auch morgen noch kühlt.
Anfänglich gab es hier nichts, außer Olivenhainen: keinen Strom, kein Telefon, nicht einmal fließend Wasser - nur ein paar Zisternen.
Irgendwann wurden auf eigene Initiative Wasserleitungen aus dem nächsten Bergdorf gelegt, trotzdem sind Wasser und Strom auf dem Land selbst heute noch nicht immer verfügbar. Wird das Wasser mal abgesperrt - mit mehreren 1000 Litern im Puffer-Speicher kann man das in aller Regel gut überbrücken.
Unsere Bewässerungsanlage versorgt Oleander, Lavendel, Feige, Wein und Co. Zusätzlich fangen mehrere Tonnen ablaufendes Regenwasser auf. Das übrige Abwasser aus dem Haus geht in die
Sickergrube.
Eine Solarthermie-Anlage erhitzt zusätzlich 200 Liter Wasser in einem speziellen Boiler. Und sollte das nicht reichen, gibt es noch einen Gasboiler. In jedem Fall lässt sich schon am Morgen sogar draußen schön heiß duschen! Und besonders im Sommer finden sich immer Pflanzen, die sich über das aufgefangene Wasser der Außendusche sehr freuen und sich nach kurzer Zeit mit neuen Blüten bedanken!
Kommerzielle Ferienanlagen sind auf kommunale Stromanschlüsse angewiesen und so wandern diese unaufhaltsam den Berg hinauf. Nach über 30 Jahren „Photovoltaik im Inselbetrieb“ brauchen wir das
prinzipiell nicht. Es ist ein gutes Gefühl, den benötigten Strom mit Hilfe der Sonne selbst zu erzeugen und in Batterien speichern zu können.
Photovoltaik ist mittlerweile überall ein gängiges Thema, aber zu Beginn war das noch sehr exotisch und es wurde viel experimentiert. Die ersten 20 Jahre war dieses Haus komplett auf 12 Volt
Spannung ausgelegt, d.h. alle Elektrogeräte, alle Lampen waren spezielle 12V-Geräte - teilweise mit Auto- bzw. Wohnmobil-Technik. Der Kühlschrank hatte immer absolute Priorität - beim Einsatz
weiterer Verbraucher mussten wir damals stets die Batteriewerte im Auge behalten.
Diese Umstände verströmten zwar Pioniergeist und wohlwollend betrachtet auch Romantik - nutzerfreundlich wurde es aber erst mit dem Ausbau auf 24V-Technik, die den Strom auf gängige 220 Volt transformiert. Die Hauselektrik wurde überwiegend auf Geräte mit geringem Strombedarf umgerüstet. Dennoch ist ein bewusster Umgang mit den Ressourcen angebracht und nutzlose Verschwendung zu vermeiden. Strom-Killer wie z.B. elektrische Heizung waren lange tabu, weil diese Ferienhaus-Anlage anders dimensioniert ist, als man es von deutschen Wohnhäusern mittlerweile immer mehr kennt.
Aber solange ab und zu etwas Sonne scheint, braucht sich hier niemand einzuschränken. Für den alltäglichen Bedarf, also Kühlschrank, Licht, Musik, Handy-Ladegerät, Bohrmaschine... ;-) gibt es mehr als genug Energie. Seit der letzten Aufrüstung der Batterieanlage können auch Fön und Mikrowelle genutzt werden und im Sommer ist sogar die Klimatisierung des Schlafzimmers möglich.
Früher haben wir bei jedem heranziehenden Gewitter den Hauptschalter umgelegt und so die empfindlichen Laderegler und Spannungswandler vor Überspannung geschützt. Das war weder gefährlich noch kompliziert, laut unserem Elektriker für unbedarfte Gäste aber trotzdem ein kleines Abenteuer und vor allem - heute aufgrund moderner Sicherungstechnik nicht mehr notwendig!
Wir beobachten das dennoch ;-)
Gekocht und gebraten wird ganz bequem und effektiv auf einem modernen 4-Flammen-Gaskochfeld. Die Gasflaschen sind ausserhalb des Hauses separat untergebracht.
Aufgrund der Waldbrandgefahr in den Sommermonaten wird der Grill nicht mit Kohle, sondern ebenfalls sehr entspannt mit Gas betrieben.
Da wir im Urlaub nicht ständig telefonieren wollen und müssen, gab es im Haus nie Festnetztelefon.
Das hat außerdem den bemerkenswerten Vorteil, dass uns bei Gewitter keine Blitze durch die Überlandleitungen ins Haus kommen und so die Elektrik zerstören können.
Dafür stand jahrelang auf dem Berg die vermutlich einsamste Telefonzelle Griechenlands, denn anders als unten im Dorf, gab es oben am Haus schon früh Handyempfang. WLAN gibt’s im Dorfcafé und in den meisten Bars und Restaurants der Insel kostenfrei. Wer die Ruhe der Abgeschiedenheit von Villa Helena zum Arbeiten nutzen möchte, bringt einfach einen kleinen, mobilen Router mit.